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Frauenpower in einer Männerdomäne

Die acht Koordinatorinnen der SG Bettringen: (hintere Reihe von links): Claudia Zurmühl, Melanie Jennewein, Michaela Barth, Sandra Herkle, Claudia Müller; Sitzend: Christine Wiedmann, Katja Schneider und Anke Sitges.


Bei den Bettringer Junioren fungieren acht Koordinatorinnen als
Bindeglied zwischen den Trainern, Spielern und Eltern

VON ALEXANDER VOGT
Für Jugendleiter Karl-Heinz Härter sind sie mittlerweile unverzichtbar,
weil sie im organisatorischen Bereich und als Bindeglied zu den Eltern
die Trainer und Betreuer der einzelnen Juniorenmannschaften spürbar
entlasten. „Das ist einmalig in der Region“, sagt Härter über die acht
Koordinatorinnen bei der Fußballjugend der SG Bettringen.
Von Alexander Vogt
Es ist ein weit verbreitetes Problem. Kaum mehr einen (Sport-)Verein
gibt es, der nicht darüber klagt. Überall hat man mittlerweile damit zu
kämpfen, dass das ehrenamtliche Engagement immer mehr nachlässt, weil
immer weniger Menschen dazu bereit sind, ihre Freizeit zu opfern, um in
Vereinen Verantwortung zu übernehmen. Viele Ämter müssen deshalb
unbesetzt bleiben, das Wohl und Wehe der Vereine hängt von immer weniger
Verantwortlichen ab, die sich diesen Aufwand noch antun wollen.
Dass es auch anders geht, beweist sich auf bemerkenswerte Art und Weise
schon seit einigen Jahren bei der SG Bettringen – mit einem unorthodoxen
Paradebeispiel für das gelebte Ehrenamt im Jugendfußball. Laut
Karl-Heinz Härter hat vor knapp acht Jahren alles angefangen. Mit Anke
Sitges und Christine Wiedmann bei den Bambini. „Das waren sozusagen die
Frauen der ersten Stunde“, erinnert sich Karl-Heinz Härter an die Zeit
zurück, in der bei der SGB das neue Amt der Koordinatorin geboren wurde.
„Das hat sich schnell bewährt, weshalb wir uns bemüht haben, weitere
Frauen zu finden, die wir den anderen Mannschaften zuordnen können.“
Sitges und Wiedmann sind heute noch dabei – in der C-Jugend. Zusammen
mit Claudia Zurmühl (Bambini), Melanie Jennewein (Bambini), Michaela
Barth (F-Junioren), Katja Schneider (F-Junioren), Sandra Herkle
(E-Junioren) und Claudia Müller (D-Junioren) bilden sie das achtköpfige
Koordinatorinnen-Team.
Und stehen gemeinsam für Frauenpower in einer Männerdomäne, engagieren
sich doch sonst nur männliche Trainer und Betreuer für den Jugendfußball
in Bettringen. „Diese Frauenpower tut uns richtig gut“, will Härter auf
die weibliche Unterstützung schon lange nicht mehr verzichten. „Sie
leisten unheimlich viel im organisatorischen Bereich“, weiß der
Jugendleiter ihre Arbeit zu schätzen.
Als Bindeglied zwischen den Trainern, Eltern und Spielern sind die
Koordinatorinnen bei den Trainingseinheiten und Spielen der einzelnen
Juniorenmannschaft regelmäßig vor Ort. „Sie kümmern sich um alles, was
außerhalb des Platzes ansteht und wissen, was zu tun ist“, bringt Härter
die Aufgaben der „Mädchen für alles“ auf den Punkt. Sie erleichtern
damit nicht nur Härters Arbeit, sondern auch die der Trainer, die sich
ganz aufs Sportliche konzentrieren können. „Das ist eine unheimliche
Entlastung, weil wir uns auf unsere Frauenpower blind verlassen können.“
Wenn Arbeitsdienste für Weihnachtsfeiern und Jugendpräsentationen zu
organisieren sind oder man noch auf der Suche nach Fahrern für
Auswärtsspiele ist: „Spätestens zwei Tage später ist es dank den
Koordinatorinnen erledigt“, so Härter.
Oftmals profitiere man auch davon, „dass sie eine andere Sichtweise
reinbringen durch ihre Erfahrung aus dem Familienleben“, sagt Karl-Heinz
Härter, der mit Stolz sagen kann: „Das ist einmalig in der Region, dass
acht Koordinatorinnen die Trainer und Verantwortlichen so tatkräftig
unterstützen.“
Deshalb setzt der SGB-Jugendleiter weiterhin darauf, die Jugendarbeit
auf noch mehr (weibliche) Schultern verteilen zu können. „Ab der
nächsten Saison gibt es wahrscheinlich auch für die B-Junioren eine
Koordinatorin.“

Rems-Zeitung v. 30. Mai 2015

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