Herr Diebold ond Kollega zu Gast bei der Sportgemeinde

Viele Songs kommen den Zuhörern bekannt vor, und das ist auch beabsichtigt. Aus vier Jahrzehnten Rock- und Popmusik werden Titel präsentiert mit urschwäbischen Texten, die Besinnlich-Sentimentales, allzu Menschliches und Alltägliches bis hin zu Nonsens beinhalten. Sie wollen schwäbischen Unsinn in bekannten Melodien verbreiten, was ihnen hervorragend gelingt.

Sie starten mit dem Wander-Alzheimer - altbekannte Wege werden nicht mehr gefunden - „Wo ist der Wanderweg“ (Original: The Wanderer von Status Quo, 1983).

Michael „Diebo“ Diebold, Texter, Sänger, Gitarrist und Chef der Gruppe in einem führt pointenreich durch das rund zweistündige Programm. So fordert er das Publikum auf, bis 24 Uhr seine Stimme bei SWR1 für das talentierte Quartett abzugeben. Er hätte mit Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle gewettet, dass sie es in die SWR1 Hitparade schaffen. Mit Platz 317 sei er aber schon zufrieden.

Miha Spilek an der Leadgitarre beherrscht sein Instrument virtuos – ist er doch hauptberuflich Gitarrenlehrer mit eigener Musikschule. Alfred „Don Alfredo“ Krauss, E-Bass, hält sich ein bisschen im Hintergrund, sorgt aber für runde Rhythmen. Frieder Simon am Schlagzeug gibt taktsicher dem Konzert den richtigen Drive.

Zu den Klängen des Country-Song „Cotton-Fields“ hören die amüsierten Gäste „Zwischen Neckar, Alb und Hohenstaufe hab' ich immer was am Laufe“.

Auf den Klassiker der Bluesgeschichte „Need your love so bad“ von Fleetwood Mac singt Herr Diebold „Darum brauch' i di an meiner Seid“. Keine Schokolade, keine Heizung kann die Liebste ersetzen.

Sogar „Das alte Haus von Rocky Docky“ aus den Fünfziger Jahren muss für einen Song über die Mühen und Schrecken einer Hausrenovierung herhalten. Nahezu wörtlich übersetzt wurde „Jeans on“ von David Dundas: „Zieh dei alde Jeans oa“, ein mitreißender Sound, zu dem kräftig mitgewippt und geklatscht wurde.

Ein Lied mit Moral und Hintersinn benötigt die Unterstützung des Publikums. Die Männer singen „He Frau“ und die Frauen antworten stimmgewaltig “Bisch wieda b'soffa, Alder?“ Das Original, die Ballade „Seven Drunken Nights“, ist in den Sechzigern von den Dubliners bekannt geworden.

Die vier Rock'n Roller können aber auch romantisch sein: „Du siesch klasse aus heut Nachd“ auf den Song von Eric Clapton „You're so wonderful tonight“ lässt manches Paar unter den Zuhörern näher zusammenrücken. Da können die beiden Virtuosen an der Akustik- und E-Gitarre wieder brillieren. Aber nicht nur Coverversionen mit urschwäbischen Texten stehen auf dem Programm, auch Eigenkompositionen wie der Song vom „Seniorenstift“.

So hätte man endlos zuhören, mitklatschen, mitsummen können. Ein „brutales“ Ende des Gastspiels wird aber abgemildert durch vier „Verlängerungen“. In einer Adaption des Songs „Kiss“ von Prince zieht die Vierercombo noch einmal alle Register ihres Könnens. Mit dem Song vom „Landgasthof Alter Löwa“ nach der Melodie „Hotel California“ von den Eagles dürfen sie immer noch nicht aufhören. Erst nach einem Solo von Herrn Diebold – die Kollegen hatten angeblich keine Lust mehr -, in dem er „Atemlos“ intoniert, ein Song, den er selbst vor vielen Jahren komponierte und der danach erst von einer blonden deutschen Schlagersängerin zu einem Riesenerfolg gemacht wurde, dürfen die Vier abbauen und die Heimreise antreten. Im Falle von Michael Diebold ist sie sogar ziemlich weit – bis nach Ägypten, wo er lebt und für das Auswärtige Amt arbeitet.

 

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