Achim & Hubbe mit 'Ha do kosch nemme'

In der ausverkauften SG-Halle gelingt dem Paar mit der Ouvertüre „Heit isch was los“ ein folkloristischer Einstieg. Nicht nur die Geschlechter streiten, auch die Stadtteile messen sich untereinander und heben ihre Vorteile hervor. So sei Bettringen zwar Gmünds größter Stadtteil, Straßdorf aber der schönste. Und Paula weiß natürlich, was ab geht im Ort, denn sie „basst halt uff ond woiß oifach älles.“ Auch körperlich hält sie sich fit und trainiert Bauch, Beine, Po mit „Essa, Fiaß hochlega ond Arsch broid drugga“.
Wenn es dem Schwaben zu langsam geht, feuert er sein Gegenüber mit „Lass laufa“ zur Eile an. Im gleichnamigen Song schildern die beiden etliche Situationen, in denen die Aufforderung durchaus ihre Berechtigung hat. Im Hallenbad sollte Mann oder Frau dies allerdings nicht wörtlich nehmen.
Auf die Frage von Paula: „Kennat ihr die fenf Geheimnisse fir a guate Beziehung?“ trafen die Antworten aus dem Auditorium nicht so recht den Kern der Sache. Hier die Definition von Paula:
1. En Ma, der an guada Jobb hodd, an Hauffa Geld ond em Haushald midschaffd.
2. En Ma, uff den mr sich verlassa ka.
3. En Ma, der guat isch em Bedd.
4. En Ma, der Humor hodd ond Spass verstodt.
5. On des isch des wichdigschde Geheimnis: Dia viar Männr soddet sich nedd kenna.
Als Retourkutsche verriet Hubbe, dass seine Paula unter einer Stoffwechselkrankheit leide. „Ällaweil brauchd se a nuies Kloidle“. Seit neuestem kauft sie auch im Internet, manchmal bloß, weil man die Sachen kostenlos wieder zurückschicken kann.
Paula hält dagegen und behauptet, dass Frauen eh die besseren Autofahrer seien. „Und deswegen hat man in den Parkhäusern extra Frauenparkplätze eingerichtet!“ entgegnet Hubbe. Für Männer heißt das allerdings, möglichst weit weg parken. Dann „kriagschdt koine Kratzer und Magga am Karra“.
Zur Untermauerung ihrer Aussage schart Paula einige freiwillige Frauen um sich und zeigt den anwesenden Männern, dass Frauen nicht nur vorwärts-, sondern auch rückwärtsfahren können. Und das Rückwärtseinparken wird mit einer überzeugenden Leichtigkeit demonstriert.
Aber nicht nur mit dem Auto sind Hubbe und seine Paula mobil. Das elektrisch unterstützte Radfahren, neudeutsch „E-Biking“ genannt, hat es den beiden angetan. Trotz aller elektrischen Unterstützung scheitert so eine Radtour gelegentlich an ganz einfachen Dingen, zum Beispiel an einer „Luffdbomb“. Zur Melodie von „Sexbomb“ schildern die beiden die Leiden des Bikers, wenn selbige nicht greifbar ist (Die Pumpe, nicht die Sexbombe). Nach allem Hin und Her findet sich die kleine Powerpumpe dann in Paulas Handtasche. Mit einem erleichternden Seufzer verabschieden sich die Beiden in die Pause.
Mit dem Song „Schlupf halt a bissle an mi no, rutsch doch a bissle zu mir rübr“ stimmen Hubbe und Paula nach der Pause erst einmal versöhnliche Töne an, um sich anschließend die Vegetarier zur Brust zu nehmen. Der Begriff „Vegetarier“ stammt ursprünglich aus dem Indianischen und bedeutet nichts anderes als „Zu blöd zum Jagen“.
Einen eingefleischten Vegetarier erkennt man am besten beim Rasenmähen. „Dem laufd beim Mäha dr Sabbel rechds ond lenks aus dr Gosch“. Kein Wunder also, dass bei der musikalischen Aussage „I benn Wegetarier“, der Refrain lautet: „Do hosch koin Hongr, bloos Durschd“.
Anschließend kehrt das Paar von den inneren menschlichen Werten zu vermeintlich äußeren Unzulänglichkeiten zurück. Hubbes Wunsch nach einer größeren Oberweite seiner Frau kontert Paula mit dem Satz: „Lass dir doch deine Hend verkloinera, dees hodd dr gleicha Effeggd“.
Von den männlichen Händen führt der Weg direkt zu den weiblichen Füßen (den hochdeutschen Füßen, Anm. d. Red.) und zwangsläufig zu den Schuhen, die auf der Einkaufsliste vieler Frauen ganz oben stehen. Von Freud und Leid des Schuhkaufs erzählt das Lied „Es gibt viele Frauen …“ (Melodie: Aber Dich gibt’s nur einmal für mich).
Italienische Schuhe, französische Mode und französischer Wein. Davon hätten auch die drei Franzosen ein Lied singen können, die sich Paula aus den Zuschauern herausgepickt hat. Die drei Herren (zwei vis-à-vis-lebende aus Grenoble, einer aus der Normandie) dienten Paula zur Befriedigung ihres Sendungsbedürfnisses für und über Württemberger Wein. Am Ende des Lieds stimmt der ganze Saal in den Refrain mit ein „Kennar drengad Wirddaberga, Wirddaberga Wein“.
Nach dem Lobgesang auf den Württemberger Wein hätte die Paula noch eine Überraschung für ihn, verrät Hubbe. Mit einem visuellen Paukenschlag im Leo-Look-Outfit erscheint Paula und erweist mit „Oifach dr Beschd“ ihre Wertschätzung für Hubbe.
Um das Klischee von der putzsüchtigen schwäbischen Hausfrau zu widerlegen wirft Paula die Frage in den Saal: „Welchen Dreck beseitigt die schwäbische Hausfrau am liebsten? Ganz oifach den der gar nedd en d‘ Stuub neidraaga wird. Drum gellt, wenn Haus- oder Wohnungsdiir zua gmachd werdat, au sofor dr Schroi aus dr Stuub:
Dua dia Schuah ra!“
Dieser Aufforderung hat der kanadische Singer-Songwriter Leonard Cohen eine Ohrwurm-Hymne gewidmet. Halleluja!
Natürlich dürfen die Straßdorfer Barden die Halle nicht ohne Zugabe verlassen. Nach einer Melodie von Henry John Deutschendorf Jr., Sohn eines Deutschamerikaners, klingt mit „I will hoim noch Schwäbisch Gmend“ ein humorvoller, witziger und erkenntnisreicher Abend in der SG-Halle aus.

zurück

nach oben