Jedes Spiel zu Null“
Fußball: Schiedsrichter Mike Böttigheimer im Interview mit der TAGESPOST
Der Bettringer Mike Böttigheimer ist 22 Jahre, Student der Elektrotechnik in Stuttgart und Fußballschiedsrichter in der Schiedsrichtergruppe Gmünd. Letzte Saison pfiff er in der Bezirksliga so gut, dass er als fünftbester unter 120 Schiedsrichtern aufstieg. Die GT sprach mit ihm, auch über die anstehende Aufgabe Landesliga.
Benjamin Leidenberger
Herr Böttigheimer, wie war ihr Weg als Schiedsrichter bis in die Landesliga?
Böttigheimer: Angefangen mit dem Pfeifen habe ich 2003, also mit 16. Zuerst ein Jahr in der Jugend. Dann durfte ich schon in den Aktiven-Bereich wechseln. Berthold Reck hielt mich für talentiert und hat mich gefördert. 2005 pfiff ich dann schon in der Bezirksliga. Und jetzt kam der nächste Schritt.
Sie sind noch jung – aber zu alt, um noch ganz nach oben zu kommen?
Das stimmt wohl leider. Wer irgendwann international pfeifen will, muss früh anfangen. Ein Musterbeispiel ist die Karriere von Bundesligaschiri Michael Kempter: mit 13 anfangen, 15 Bezirksliga, 16 Landesliga mit 17 schon auf Verbandsebene.
Sind sie sauer, dass Sie erst nach vier Jahren den Sprung in die Landesliga geschafft haben?
Auf keinen Fall. Ich setzte meine Ziele realistisch und bin glücklich aufgestiegen zu sein. Ich habe in meinen vier Jahren Bezirksliga sehr viel gelernt. Für mich war es wichtig, die persönliche Erfahrung sammeln zu können.
Wie meinen Sie das?
Ich meine, dass zum Schiedsrichtersein nicht nur die Regelkunde gehört. Es geht nicht nur darum, zu wissen, was erlaubt ist und was nicht. Man muss auch psychologisch topfit sein. Wissen, wie man sich auf dem Platz verhält, besonders gegenüber schwieriger Charaktere. Dazu braucht man einfach die persönliche Erfahrung.
Liegt darin auch der Reiz am Pfeifen?
Für mich schon. Vom Kopf her muss man 90 Minuten voll da sein, immer konzentriert. Sonst passieren Fehler, aber als Schiri gibt’s keinen 3:2-Sieg, wie für die Spieler. Jeder Fehler ist einer zu viel, wir müssen jedes Spiel zu Null gewinnen.
Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie ein Spiel leiten?
Man hat schon perfektionistische Ansprüche. Ich will alle Entscheidungen richtig machen. Weil ich selbst bis zur A-Jugend gekickt habe, fällt es mir leichter, auch die andere Seite zu verstehen. Das will ich einbringen. Und dann vor allem gut kommunizieren, um präventiv zu arbeiten. Ein guter Schiedsrichter entscheidet klar, ist konsequent in seiner Linie und kann seine Entscheidungen gut verkaufen.
Wer ist derzeit der beste Schiedsrichter?
Da gibt es viele, Wolfgang Stark zum Beispiel – der pfeif wirklich stark.
Gmünder Tagespost 10.08.2009